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Sibirien: Besuch der Hoffnung
„Sibirien ist ein schlafender Riese. Wir erleben in unseren Städten ein rasantes
Wachstum – unsere Bodenschätze bringen Devisen, aber sie bringen
keinen Wohlstand für alle. Wir kooperieren mit fast allen Kirchen
Sibiriens und unterstützen die Evangelisation. Übersetzungsprojekte, wie die Altai-Bibel, dauern sehr lange. Sie bilden die Grundlage für die Mission und den Spracherhalt kleiner Völker. Herzliche Weihnachtsgrüße sende ich Ihnen aus dem verschneiten Novosibirsk. Bitte unterstützen Sie die Arbeit der Russischen Bibelgesellschaft in Sibirien weiterhin!“
Alexej Bulatov (Bapt.), Leiter des Bibelhauses in Novosibirsk.
Bibeln, Birken, breite Ströme
Die Russische Bibelgesellschaft mit ihrem Hauptsitz in Moskau hat in der Russischen Förderation mehrere regionale Bibelhäuser. Für die Arbeit in West-Sibirien ist Novosibirsk zuständig. Es wird von Alexej Bulatov geleitet, der mit sechs Mitarbeitern für die Bibel-verbreitung in einem Gebiet von der Größe Westeuropas zuständig ist. Das Gebiet reicht in der Ost-West-Ausdehnung vom Ural bis zum Fluss Jenissei und in der Nord-Süd-Achse von der Grenze zu Kasachstan und der Mongolei bis zum Nordmeer. Teile dieses riesigen Landes sind nur sehr spärlich besiedelt. Trotzdem macht Alexej mit seinen Kollegen sechs bis acht größere Reisen im Jahr, um auch in die entlegenstenWinkel zu kommen...
Sibirien heute:
Bis vor wenigen Jahren dienten die abgelegenen Gebiete Sibiriens zur Verbannung von politischen Gegnern und Straftätern. Erst mit dem Zerfall der Sowjetunion hörten die Deportationen in diese Gebiete auf. Ab den 1920er Jahren wurde die Industrie Sibiriens stark entwickelt. Einige wenige verdienen gut und profitieren, der große Rest lebt von
geringem Verdienst in privatisierten Fabriken aus der Sowjetzeit. Verlierer des Wandels sind Rentner und sozial Benachteiligte, sie leben oft unterhalb des Existenzminimums. Die meisten Einwohner Sibiriens fühlen sich keiner Religion mehr zugehörig. Zunehmend wird wieder zu den Feiertagen eine orthodoxe Messe besucht. Die Bibel ist 20 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion immer noch wenig verbreitet. Für Alexej Bulatov und seine Kollegen bleibt auch in zukunft noch viel Arbeit!
Bibelübersetzung in Gorno-Altaisk
Erst spät am Abend, nach langer Fahrt, finden wir in der Stadt Gorno-Altaisk den Wohnblock, in dem Valentina Semenovna mit ihrer Tochter Asya wohnt. Sie haben einen herrlichen Tisch gedeckt mit Gebäck und verschiedenen Marmeladen. Es gibt natürlich
Tee, aber auch einen selbstgemachten Likör. Beide arbeiten an der Übersetzung des Alten Testaments in die Altai-Sprache mit. Altaier sind Ureinwohner Sibiriens, ihre Sprache gehört zur Familie der Turk-Sprachen. Valentina und Asya zeigen uns stolz auf ihrem Computer Teile der Übersetzungsarbeit. Alle der insgesamt acht Übersetzer wurden in St. Petersburg am Bibelseminar in Hebräisch und Griecisch geschult und erarbeiten die Texte ehrenamtlich für ein Honorar von 210 Euro im Monat. Fünf Bücher des AT sind bereits fertig übersetzt, das NT existiert seit einigen Jahren und wird von der orthodoxen Kirche liturgisch bereits verwendet.
In einem Dorf des Shor-Volkes
Von der Straße Bijsk – Nowokusnezk biegen wir nach Osten ab und holpern auf ein Shor-Dorf zu. Die 6.100 Shor sind ein sibirisches Volk mit einer eigenen Sprache. Sie leben östlich der Achse Altai-Nowokusnezk von Subsistenzwirtschaft, Milchviehhaltung und dem Sammeln von Waldfrüchten (aus Zapfen gewinnen sie ölhaltige und sehr nahrhafte Samen und verkaufen diese auf den Märkten). Wir besuchen die erste und vorerst einzige christliche Familie im Dorf und essen Borschtsch, die typische Rote-Beete-Suppe. Dann sprechen wir mit Grushja und Tonja, die zu den Ältesten der Shor gehören und erfahren Geschichten aus dem langen Leben zweier Frauen in Sibirien. Grushja erzählt: Unsere Mütter haben uns bereits von Jesus erzählt, aber als wir erwachsen wurden, gab es keine Möglichkeiten mehr, noch etwas mehr vom Glauben zu erfahren. Jetzt sind wir froh, dass wir hier wenigstens einige Christen sind! Die neisten der shor sind Animisten, doch der christliche Glaube verbreitet sich zunehmend. Die ersten Einzel-Evangelien liegen bereits auf Shor vor und es kümmern sich Missionare der Baptisten und Pfingstler aus Novokusnezk um die Evangelisation und Gemeindeaufbau.
Drogenprojekt in Barnaul
Nicht weit von Barnaul, direkt am Fluss Ob, biegen wir von der Hauptstraße ab und halten an den kleinen Häusern einer christlichen Wohngruppe für Drogenabhängige. Hier leben junge Erwachsene, die sich nach einem kalten Entzug mit Jesus auf den Weg gemacht haben, um ein neues Leben zu beginnen: Roman, der Hausleiter, erzählt uns seine Geschichte von Drogen, Gewalt und Gefängnis. Die Begegnung mit Jesus Christus half ihm aus dieser Sackgasse heraus. Heute begleitet er Jugendliche im Programm der Baptisten durch seinen Rat und Erfahrung. Wir sind beeindruckt vom Erfolg dieser Einrichtung. Nach dem Entzug kommt die Erkenntnis der Freiheit und Verantwortung durch das Evangelium. Alexej und das Team der Bibelgesellschaft sin die wenigen regelmäßigen Besucher hier. Mit seinen Neuen Testamenten haben diese jungen Menschen ein neues Leben gewagt, und sie alle dürfen ihr Exemplar behalten.




















































